Im Machtkampf auf der Führungsebene des Hamburger SV hat Mäzen Klaus-Michael Kühne das Wort ergriffen und hofft auf einen Führungswechsel. Vorstandsboss Bernd Hoffmann steht bei seinen Vorstandskollegen sowie dem Aufsichtsrat in der Kritik, Einzelgespräche sollen am Mittwoch für Klarheit sorgen.

“Ich hoffe es”, sagte Kühne in der Zeit, als er nach einer neuen Besetzung des Vorstandes gefragt wurde. Dabei sprach er sich für Marcell Jansen aus, der momentan im Aufsichtsrat sitzt und als Präsident der Amateur- und Breitensportler beim HSV fungiert.

Während es auf die Hilfe von Gönner Kühne während und nach der Corona-Krise mehr denn je ankommen könnte – Hoffmann bezifferte den möglichen Schaden durch die Pandemie auf bis zu 20 Millionen Euro -, gebe es aktuell “keine Gespräche” zwischen Kühne und dem Klub über eine Verlängerung des Namenssponsorings der Arena. Auch habe bisher kein Verantwortlicher Kontakt zu ihm aufgenommen, was eine anderweitige Unterstützung betrifft.

Nach der Übernahme des Vorstandsposten im September 2018 hatte Hoffmann klargemacht, den Klub zukünftig wieder unabhängiger von Kühne machen zu wollen, weshalb Kühne keinen Grund sieht, aktiv auf den Vorstand zuzugehen. In diesem hat sich in Person von Jonas Boldt und Frank Wettstein eine Fraktion gegen Hoffmann gebildet. Auch die Aufsichtsräte Jansen, Markus Frömming und Michael Krall haben sich gegen diesen ausgesprochen.

HSV: Einzelgespräche zwischen Vorstand und Aufsichtsrat

Am vergangenen Donnerstag traf sich die HSV-Führung zu einer Krisensitzung. Das Ergebnis nach sechs Stunden: Eine weitere Zusammenarbeit scheint in der bisherigen Konstellation nahezu unmöglich. Hauptproblem seien Kompetenzüberschreitungen vonseiten Hoffmanns, beispielsweise in puncto Transfers, die primär in das Aufgabengebiet von Boldt fallen.

Am Mittwoch sollen nun zwischen einem Aufsichtsratsgremium um den Vorsitzenden Max-Arnold Köttgen, Andreas Peters und Jansen sowie den drei Vorständen Einzelgespräche geführt werden. Rein formal könnte ein Vorstand durch eine einfache Mehrheit im siebenköpfigen Aufsichtsrat abberufen wurden, im Gremium gilt lediglich Köttgen als Verbündeter von Hoffmann.

Ein Ende der Querelen scheint allerdings nicht in Sicht: Denn auch Jansen, der zuletzt betonte, kein Interesse an einer Veränderung seiner Position zu haben, wird nachgesagt, auf den Posten von Hoffmann aus zu sein. Dies gelte auch für dessen Vorstandskollegen. Kühne ist in all jene Entwicklungen momentan nur am Rande involviert. Seine Einschätzung der derzeitigen HSV-Querelen gegenüber der Zeit? “Degoutant”, also widerlich.

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