Wide Receiver Randy Moss gilt als einer der intelligentesten und besten Spieler in der fast 100-jährigen Geschichte der NFL. Sein Weg in die Hall of Fame war keiner ohne selbstverschuldete Unwägbarkeiten. Große Momente mischten sich immer wieder mit teils unglaublichen Rückschlägen. SPOX erzählt die Geschichte der Football-Legende.

Ich liebe dieses Spiel so sehr. In diesen vier Stunden am Sonntag kann ich frei sein und es einfach laufen lassen. (Randy Moss, Pro-Football-Hall-of-Famer)

Wer Randy Moss dieser Tage sieht, mag glauben, dass er immer noch in der NFL spielen könnte. Neulich war er zu Gast im Training Camp der New England Patriots und fing in den Pausen ein paar Pässe von Tom Brady – wie Moss ebenfalls 42 Jahre alt. Ein Bild wie aus alten Zeiten.

Während Brady immer noch nach Ringen jagt, hat sein alter Kamerad Moss bereits vor geraumer Zeit seine Handschuhe an den Nagel gehängt. Doch wenn die NFL ihre 100. Saison begeht, darf man schon mal in Erinnerungen schwelgen.

An das Jahr 2007 etwa, dem sicher größten Jahr in der Karriere von Randy Moss, die so viele große – aber auch schlechte – Momente hatte.

Mit einem Draft-Day-Trade schockten die Patriots die Footballwelt. Sie holten Randy Moss, den einstigen Superstar-Wide-Receiver, der in den zwei Jahren zuvor in Oakland die dunkelsten Stunden seiner Profikarriere durchlebt hatte. Moss litt unter der Erfolgs- und Planlosigkeit der Raiders, die sich damals von Coach zu Coach und Blamage zu Blamage hangelten.

Moss erklärte selbst, dass seine persönlichen Leistungen deshalb so schlecht waren, weil “ich vielleicht unglücklich und nicht gerade begeistert von dem bin, was hier passiert. Dadurch sind meine Konzentration und mein Fokus vielleicht nicht auf dem Level, auf dem sie sein sollten. Und manchmal bin ich schlecht drauf”.

Auch gab er offen zu, einen Neuanfang starten zu wollen. Die Frage war nur: wohin? Im Alter von damals 30 Jahren und nach zwei verlorenen Spielzeiten hatten einige Teams Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit. Und seine Diva-Tendenzen sowie Probleme mit dem Gesetz waren für einige Organisationen ohnehin ein Ausschlusskriterium.

Randy Moss 2007: Nur Patriots und Packers interessiert

Wirkliches Interesse zeigten nur die Patriots und die Green Bay Packers. Deren Quarterback Brett Favre warb sogar öffentlich um Moss: “Niemand in dieser Liga macht Leuten mehr Angst als Randy Moss”, ließ der legendäre QB wissen. Doch letztlich gelang keine Einigung zwischen beiden Teams. Die kam dann aber mit den Patriots zustande – und Moss bekam seinen Wunsch.

Ganz so reibungslos verlief Moss’ Karriere, und alles was davor kam, zuvor allerdings nicht.

Moss wuchs als Kind einer alleinerziehenden Mutter – der Vater hatte die Familie früh verlassen – in Rand/West Virginia mit zwei Geschwistern auf und entwickelte sich schon früh zum Top-Athleten. Auf der High School spielte er neben Football auch Basketball und Baseball und war zudem auch als Sprinter (100 m/200 m) in der Leichtathletik unterwegs. Und: Er war auch Teil des Debattierteams!

Ein Star war Moss in all diesen Sportarten. Beim Football etwa war er so gut, dass er neben Wide Receiver auch noch Free Safety, Kick- und Punt-Returner sowie Kicker und Punter spielte. Er führte sein Team zu zwei State Championships und wurde 1995 ins High School All-American Team gewählt.

Im Basketball wiederum war er zweimal in Folge West Virginias High-School-Spieler des Jahres, im Baseball spielte er – natürlich – Center Field. Und auf der Laufbahn? State-Champion über 100 und 200 Meter!

Randy Moss: Was für ein Freak!

Diese Vielseitigkeit, gepaart mit seiner Statur (1,93 m, 95 kg) verlien ihm den Spitznamen “The Freak”. Colleges standen Schlange und hatten jede Menge Lob für Moss übrig. Seine Wahl fiel letztlich auf Notre Dame, deren Coach Lou Holtz über Moss sagte: “Er ist der beste High-School-Spieler, den ich je gesehen habe.”

Bobby Bowden, Head Coach von Florida State, ließ wissen: “Er war so gut wie Deion Sanders. Deion ist mein Maßstab für athletische Fähigkeiten und dieser Junge war im Prinzip ein größerer Deion.”

Aus der großen College-Karriere für die Fighting Irish jedoch wurde dann doch nichts. Moss nämlich war Wochen vor seinem Abschluss in eine Schlägerei verwickelt. Ein weißer Mitschüler soll einen schwarzen Freund von Moss rassistisch beleidigt haben und Moss verteidigte ihn. Es kam zur Schlägerei und später zur Anklage. Moss soll den Mitschüler getreten haben.

Letztlich wurde er von der Schule verwiesen und musste eine 30-tätige Haftstrafe verbüßen – ursprünglich saß er nur drei Tage ab, der Rest sollte ein Jahr später folgen. Notre Dame allerdings zog sein Stipendium zurück, verwies jedoch auf Florida State, das Moss immer noch aufnahm.

Die NCAA sah ihn durch seine Zusage für ND aber als “Transfer” an, weshalb er 1995 nicht spielen durfte. 1996 trat Moss dann die übrigen 27 Tage seiner Strafe als Freigänger an und wurde positiv auf Marihuana getestet. Aufgrund des Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen wurden aus der Strafe 60 Tage sowie ein Rauswurf von Florida State.

Randy Moss: Neuanfang bei Marshall

Verzweifelt sah Moss nur noch einen Ausweg: Ein sportlicher Abstieg zur Marshall University, die nur knapp eine Autostunde von seiner Heimat entfernt war.

Marshall war damals noch eine Division-I-AA-Schule, gewissermaßen die zweite Liga des College Footballs. Moss jedoch machte das Beste daraus und zerstörte letztlich die Konkurrenz mit einer Wahnsinns-Saison. Er fing 28 Touchdown-Pässe und stellte den Rekord von Jerry Rice (1984) ein. Marshall gewann den Division-I-AA-Titel ungeschlagen. Ein Jahr später führte Moss sein Team dann in Division-I-A – der ersten Liga – zum Titel der Mid-American Conference mit 26 Touchdowns.

Sein Debüt für die Patriots verlief für Moss Jahre später wie im Märchen. Er hatte die Preseason mit einer Oberschenkelverletzung verpasst. Ein gefundenes Fressen für alle Kritiker, die ihn für zu alt und gebrechlich hielten. Diese Kritiker verstummten jedoch schnell.

Gegen die New York Jets startete Moss erstmals für die Patriots und zerstörte den Konkurrenten New Englands mit 181 Yards. Das Highlight: Ein 51-Yard-Touchdown-Catch mit drei Verteidigern im Schlepptau!

Brady und Moss verstanden sich von Beginn an blind und dominierten die Liga nach Belieben. Für Moss selbst war es ein klares Zeichen: Er war immer noch da und auf der Höhe seines Schaffens. Für Brady aber auch, denn bis dahin war er zwar ein anerkannter “Winner”, aber eben ein Game Manager, der unspektakulär seinen Stiefel herunterspielte. Moss half ihm, das nächste Level seiner Karriere zu erreichen.

Randy Moss: Statistiken einer Hall-of Fame Karriere

Statistik Wert NFL-Rang (All-Time)
Receptions 982 15.
Receiving Yards 15292 4.
Touchdown Receptions 156 2.
Total Touchdowns 157 4.
Pro Bowls 6
All-Pro 1st Teams 4

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