“Mr. Hertha” rückt wieder ins zweite Glied: Nach viereinhalb größtenteils erfolgreichen Jahren läuft Pal Dardais Zeit als Cheftrainer bei Hertha BSC im Sommer ab. Der Ungar wird in der kommenden Saison den Berliner Bundesligisten nicht mehr betreuen und stattdessen 2020 wieder als Nachwuchstrainer im Verein arbeiten. Nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge waren bei Geschäftsführer Michael Preetz und den Klubbossen die Zweifel zu groß, dass Dardai die ambitionierten Ziele noch erfüllen kann.

Man sei “gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass ein neuer Impuls im Sommer der richtige Schritt für Hertha BSC ist”, wird Preetz in einer Pressemitteilung zitiert: “Pal ist ein wichtiger Bestandteil der positiven Entwicklung unseres Klubs und wird auch über seine Zeit als Cheftrainer der Profis hinaus ein großer Faktor der Hertha-Familie bleiben.”

Es ist geplant, dass Dardai, mit 286 Bundesliga-Partien noch immer Herthas Rekordspieler, im Sommer 2020 wieder im Nachwuchsbereich bei Hertha arbeitet. Dort besitzt der 43-Jährige einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Allerdings dürften sich auch Bundesligisten wie Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg, die einen neuen Trainer suchen, nun verstärkt mit Dardai beschäftigen. Doch der stellte auch klar: “Hertha ist und bleibt mein Zuhause.” Er sei “stolz darauf, was wir in dieser Zeit gemeinsam erreicht haben”.

Dardai, der im Februar 2015 die Nachfolge von Jos Luhukay angetreten hatte und aus dem damaligen Abstiegskandidaten einen dauerhaften Europacup-Anwärter geformt hat, ist nach dem Freiburger Christian Streich (seit 2011) der dienstälteste Trainer der Bundesliga.

Dardais Aus hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Zum vierten Mal verspielt Hertha unter Dardai in einer schwachen Rückrunde eine noch bessere Platzierung. Zudem soll es zwischen dem Trainer und Manager Preetz immer häufiger zu inhaltlichen Dissonanzen gekommen sein.

Pal Dardai spürte offenbar Misstrauen

Dennoch verlängerte Preetz erst in der Winterpause den Profi-Vertrag mit Dardai um ein weiteres Jahr. Aber schon damals hatte Dardai betont: “So lange wir Vertrauen zueinander haben, bin ich hier Trainer. Aber auch nur dann. Ich bin nicht der Typ, der um eine weitere Chance bettelt.” Das Vertrauen war in der Klubführung nicht mehr groß genug.

Dardai hatte das Misstrauen offenbar gespürt. Wenn man einen anderen für besser halte, hatte Dardai erst vor ein paar Tagen gesagt, “dann soll ein anderer kommen, das ist auch nicht schlimm”.

Mit seiner Verschwörungstheorie gegenüber Berliner Medien (“Das ist ein sogenannter geplanter Mord”) hat sich Dardai in der Krise wenig souverän gezeigt. Sich und seinem Trainerteam attestierte er jedoch einen “Riesenjob”, es sei “alles optimal”. Dardai bat immer wieder um mehr Geduld für das junge Teams, das er mit Spielern des “goldenen” 1999er Jahrgangs, dem sein Sohn Palko angehört, aufbaute.

“Irgendwann werden wir auch eine große Mannschaft haben”, hatte Dardai prophezeit. Sollte es so kommen, wird er die Früchte nicht mehr ernten können.

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