Rückschlag für den VfL Wolfsburg: Der Doublegewinner ist in der Champions League an Olympique Lyon gescheitert. Alexandra Popp sagt im DFB.de-Interview, warum es gegen die Französinnen nicht gereicht hat. Und die 27 Jahre alte Nationalteamkapitänin blickt aufs DFB-Pokalhalbfinale beim Vizemeister FC Bayern München am Sonntag (ab 15.15 Uhr, live in der ARD).

DFB.de: Frau Popp, das Spiel hat schlecht begonnen und schlecht geendet. Es war nicht der Tag des VfL Wolfsburg.

Alexandra Popp: So kann man es gut zusammenfassen und auf den Punkt bringen. Diesen Eindruck hatte ich auch auf dem Platz. Zum wiederholten Male haben wir es nicht geschafft, in der ersten Halbzeit auf unserem Niveau zu spielen und unsere Qualitäten abzurufen. Nach dem 0:2 war es für uns natürlich unfassbar schwierig gegen so einen Topgegner. Nach dem Wechsel haben wir uns noch mal berappelt, aber es hat dann am Ende eben nicht gereicht.

DFB.de: Hatten Sie nach dem zwischenzeitlichen 2:2 das Gefühl, dass doch noch was gehen könnte?

Popp: Ja, natürlich. In diesem Moment waren wir am Drücker. Ich hatte direkt den Eindruck, dass noch was möglich ist. Aber dann hat Lyon recht schnell zum 3:2 getroffen. Damit war die Sache erledigt, dieser Treffer hat uns endgültig das Genick gebrochen. Wir haben nicht aufgegeben, aber wir hatten keine Chance mehr. Das ist deshalb doppelt bitter, weil wir endlich mal ein ausverkauftes Stadion hatten. Dass es dann so endet, ist unheimlich ärgerlich.

DFB.de: Die Parallele zum Hinspiel ist offensichtlich. Auch da haben Sie die Anfangsphase verschlafen und schnell 0:2 zurückgelegen. Wie sind diese Startschwierigkeiten zu erklären?

Popp: Ich weiß es nicht. Ich habe darauf keine Antwort. Seit Anfang des Jahres haben wir immer zu Beginn einer Begegnung Probleme. Das ging los mit dem ersten Pflichtspiel in München, das wir dann auch prompt 2:4 verloren haben. Seitdem zieht sich diese schwierige Anfangsphase wie ein roter Faden durch unsere Partien – mit einer Ausnahme: Das 4:0 im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Turbine Potsdam war von der ersten bis zur letzten Minute in Ordnung.

DFB.de: Was hat in diesen schlechten ersten Halbzeiten gefehlt?

Popp: Einfach die Qualität in unserem Spiel. Auch das hohe Tempo, mit dem wir Gegner vor Probleme stellen können. Im Moment kommen wir aus diesem Trott nicht raus. Wenn uns das nicht bald gelingt, bekommen wir Probleme.

DFB.de: Hinzu kamen gegen Lyon dann auch noch individuelle Fehler, oder?

Popp: Das stimmt, aber wir haben als Mannschaft verloren. Hier wird niemandem ein Vorwurf gemacht. Alle Gegentore sind im Grunde direkt aus individuellen Fehlern von uns entstanden. Auf dem Niveau ist das gegen solche Gegner tödlich. Wir müssen daraus lernen und weiter an uns arbeiten.

DFB.de: Trotz aller Probleme hatte man immer das Gefühl, dass Sie Lyon ausschalten können. Ging Ihnen das auch so?

Popp: Lyon war nicht unbesiegbar. Deswegen ist es umso ärgerlicher, dass wir es in diesen zwei Partien nicht geschafft haben, vom Anpfiff an komplett da zu sein. Im Rückspiel haben wir in der ersten Halbzeit kein einziges Mal auf das gegnerische Tor geschossen. Das ist einfach zu wenig. Und dann muss man auch sagen: Wir sind verdienter Verlierer. Und Lyon steht vollkommen zurecht im Halbfinale. Aber klar ist auch: Es geht Schlag auf Schlag weiter. Wir müssen nun dringend aufwachen und von der ersten Minute hellwach sein, wir müssen eine Reaktion zeigen, wir müssen nach vorne schauen. Es bringt nichts, wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken und uns vergraben.

DFB.de: Wie schwer fällt jetzt der Blick nach vorne?

Popp: Am Sonntag spielen wir im DFB-Pokal in München. Da werden wir wieder genauso gefordert sein wie gegen Lyon. In der Bundesliga haben wir das Rückspiel im Februar beim FC Bayern verloren. Ich erwarte und erhoffe mir eine Reaktion der kompletten Mannschaft. Wir haben immer noch die Möglichkeit auf zwei Titel. Und ich möchte es unfassbar gerne wieder ins DFB-Pokalfinale nach Köln schaffen.

DFB.de: Ist es gerade insgesamt eine schwierige Phase?

Popp: Wir sind nicht zufrieden, wie es bisher in diesem Jahr gelaufen ist. Wir haben eine überragende Hinserie gespielt und uns wirklich viel vorgenommen. Die Niederlage in München war natürlich ein miserabler Start in 2019. Seitdem haben wir einige Probleme, die wir analysieren müssen. Aber es ist schwierig, da zu einer genauen Diagnose zu kommen. Man sieht deutlich, dass alle Spielerinnen fokussiert sind. Aber irgendwie fehlt der allerletzte Wille.

DFB.de: Ist das eine Kopfsache?

Popp: Ja, das kann gut sein. Das Potenzial ist ja selbstverständlich da. Das haben wir schon oft genug nachgewiesen, auch in dieser Saison. Ich weiß auch nicht genau, was uns blockiert, wenn das Spiel losgeht. In den zweiten Halbzeiten funktioniert alles wunderbar. Wir lassen den Gegner laufen, wir lassen den Ball laufen. Aber gegen die Topteams ist es dann leider manchmal schon zu spät. Es ist psychisch und physisch anstrengend, wenn man dann immer wieder einem Rückstand hinterherlaufen muss.

DFB.de: Wie können Sie das ändern?

Popp: Das können wir nur als Mannschaft schaffen. Wir müssen uns gemeinsam da rauskämpfen. Das wird nicht von selbst funktionieren. Wir müssen es wollen. Und zwar schon am Sonntag.

DFB.de: Sehen Sie dieses Duell in München auch als Chance, die schlechte Phase endgültig zu beenden?

Popp: Nicht nur das. Wir sehen es auch als Revanche für unsere Niederlage vor ein paar Wochen an. Die haben wir noch nicht vergessen. Wir wollen vor dem Saisonendspurt ein Zeichen setzen. Vielleicht ist es gut, dass wir jetzt direkt gegen München spielen. Da können wir schnell einiges wiedergutmachen. Ich hoffe einfach, dass uns das gelingt. Danach kommt eine kurze Pause, weil wir mit der Nationalmannschaft in Schweden und gegen Japan spielen. Und wenn wir danach zurück zum Verein kommen, weht wieder ein anderer Wind, und wir arbeiten auf eine Saison mit zwei Titeln hin. Dafür müssen wir am Sonntag jedoch unsere Hausaufgaben erledigt. Es wird eine schwierige Prüfung, aber wir können sie bestehen – ganz sicher.



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Rückschlag für den VfL Wolfsburg: Der Doublegewinner ist in der Champions League an Olympique Lyon gescheitert. Alexandra Popp sagt im DFB.de-Interview, warum es gegen die Französinnen nicht gereicht hat. Und die 27 Jahre alte Nationalteamkapitänin blickt aufs DFB-Pokalhalbfinale beim Vizemeister FC Bayern München am Sonntag (ab 15.15 Uhr, live in der ARD).

DFB.de: Frau Popp, das Spiel hat schlecht begonnen und schlecht geendet. Es war nicht der Tag des VfL Wolfsburg.

Alexandra Popp: So kann man es gut zusammenfassen und auf den Punkt bringen. Diesen Eindruck hatte ich auch auf dem Platz. Zum wiederholten Male haben wir es nicht geschafft, in der ersten Halbzeit auf unserem Niveau zu spielen und unsere Qualitäten abzurufen. Nach dem 0:2 war es für uns natürlich unfassbar schwierig gegen so einen Topgegner. Nach dem Wechsel haben wir uns noch mal berappelt, aber es hat dann am Ende eben nicht gereicht.

DFB.de: Hatten Sie nach dem zwischenzeitlichen 2:2 das Gefühl, dass doch noch was gehen könnte?

Popp: Ja, natürlich. In diesem Moment waren wir am Drücker. Ich hatte direkt den Eindruck, dass noch was möglich ist. Aber dann hat Lyon recht schnell zum 3:2 getroffen. Damit war die Sache erledigt, dieser Treffer hat uns endgültig das Genick gebrochen. Wir haben nicht aufgegeben, aber wir hatten keine Chance mehr. Das ist deshalb doppelt bitter, weil wir endlich mal ein ausverkauftes Stadion hatten. Dass es dann so endet, ist unheimlich ärgerlich.

DFB.de: Die Parallele zum Hinspiel ist offensichtlich. Auch da haben Sie die Anfangsphase verschlafen und schnell 0:2 zurückgelegen. Wie sind diese Startschwierigkeiten zu erklären?

Popp: Ich weiß es nicht. Ich habe darauf keine Antwort. Seit Anfang des Jahres haben wir immer zu Beginn einer Begegnung Probleme. Das ging los mit dem ersten Pflichtspiel in München, das wir dann auch prompt 2:4 verloren haben. Seitdem zieht sich diese schwierige Anfangsphase wie ein roter Faden durch unsere Partien – mit einer Ausnahme: Das 4:0 im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Turbine Potsdam war von der ersten bis zur letzten Minute in Ordnung.

DFB.de: Was hat in diesen schlechten ersten Halbzeiten gefehlt?

Popp: Einfach die Qualität in unserem Spiel. Auch das hohe Tempo, mit dem wir Gegner vor Probleme stellen können. Im Moment kommen wir aus diesem Trott nicht raus. Wenn uns das nicht bald gelingt, bekommen wir Probleme.

DFB.de: Hinzu kamen gegen Lyon dann auch noch individuelle Fehler, oder?

Popp: Das stimmt, aber wir haben als Mannschaft verloren. Hier wird niemandem ein Vorwurf gemacht. Alle Gegentore sind im Grunde direkt aus individuellen Fehlern von uns entstanden. Auf dem Niveau ist das gegen solche Gegner tödlich. Wir müssen daraus lernen und weiter an uns arbeiten.

DFB.de: Trotz aller Probleme hatte man immer das Gefühl, dass Sie Lyon ausschalten können. Ging Ihnen das auch so?

Popp: Lyon war nicht unbesiegbar. Deswegen ist es umso ärgerlicher, dass wir es in diesen zwei Partien nicht geschafft haben, vom Anpfiff an komplett da zu sein. Im Rückspiel haben wir in der ersten Halbzeit kein einziges Mal auf das gegnerische Tor geschossen. Das ist einfach zu wenig. Und dann muss man auch sagen: Wir sind verdienter Verlierer. Und Lyon steht vollkommen zurecht im Halbfinale. Aber klar ist auch: Es geht Schlag auf Schlag weiter. Wir müssen nun dringend aufwachen und von der ersten Minute hellwach sein, wir müssen eine Reaktion zeigen, wir müssen nach vorne schauen. Es bringt nichts, wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken und uns vergraben.

DFB.de: Wie schwer fällt jetzt der Blick nach vorne?

Popp: Am Sonntag spielen wir im DFB-Pokal in München. Da werden wir wieder genauso gefordert sein wie gegen Lyon. In der Bundesliga haben wir das Rückspiel im Februar beim FC Bayern verloren. Ich erwarte und erhoffe mir eine Reaktion der kompletten Mannschaft. Wir haben immer noch die Möglichkeit auf zwei Titel. Und ich möchte es unfassbar gerne wieder ins DFB-Pokalfinale nach Köln schaffen.

DFB.de: Ist es gerade insgesamt eine schwierige Phase?

Popp: Wir sind nicht zufrieden, wie es bisher in diesem Jahr gelaufen ist. Wir haben eine überragende Hinserie gespielt und uns wirklich viel vorgenommen. Die Niederlage in München war natürlich ein miserabler Start in 2019. Seitdem haben wir einige Probleme, die wir analysieren müssen. Aber es ist schwierig, da zu einer genauen Diagnose zu kommen. Man sieht deutlich, dass alle Spielerinnen fokussiert sind. Aber irgendwie fehlt der allerletzte Wille.

DFB.de: Ist das eine Kopfsache?

Popp: Ja, das kann gut sein. Das Potenzial ist ja selbstverständlich da. Das haben wir schon oft genug nachgewiesen, auch in dieser Saison. Ich weiß auch nicht genau, was uns blockiert, wenn das Spiel losgeht. In den zweiten Halbzeiten funktioniert alles wunderbar. Wir lassen den Gegner laufen, wir lassen den Ball laufen. Aber gegen die Topteams ist es dann leider manchmal schon zu spät. Es ist psychisch und physisch anstrengend, wenn man dann immer wieder einem Rückstand hinterherlaufen muss.

DFB.de: Wie können Sie das ändern?

Popp: Das können wir nur als Mannschaft schaffen. Wir müssen uns gemeinsam da rauskämpfen. Das wird nicht von selbst funktionieren. Wir müssen es wollen. Und zwar schon am Sonntag.

DFB.de: Sehen Sie dieses Duell in München auch als Chance, die schlechte Phase endgültig zu beenden?

Popp: Nicht nur das. Wir sehen es auch als Revanche für unsere Niederlage vor ein paar Wochen an. Die haben wir noch nicht vergessen. Wir wollen vor dem Saisonendspurt ein Zeichen setzen. Vielleicht ist es gut, dass wir jetzt direkt gegen München spielen. Da können wir schnell einiges wiedergutmachen. Ich hoffe einfach, dass uns das gelingt. Danach kommt eine kurze Pause, weil wir mit der Nationalmannschaft in Schweden und gegen Japan spielen. Und wenn wir danach zurück zum Verein kommen, weht wieder ein anderer Wind, und wir arbeiten auf eine Saison mit zwei Titeln hin. Dafür müssen wir am Sonntag jedoch unsere Hausaufgaben erledigt. Es wird eine schwierige Prüfung, aber wir können sie bestehen – ganz sicher.

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