Die DEL-Saison 2019/20 startet mit zwei klaren Meisterschaftsfavoriten: Titelverteidiger Adler Mannheim und Vize-Meister EHC Red Bull München. Dahinter trennen die Verfolger zum Teil nur Nuancen. Wie Augsburg im vergangenen Jahr mit Platz drei könnten nahezu alle Teams überraschen – oder auch böse abstürzen. Die Außenseiter im Überblick…

Fischtown Pinguins: Sind die Abgänge vor allem “intern” zu kompensieren?


Personal: Die Bremerhavener konnten ihren Kader zu größeren Teilen zusammenhalten, verloren allerdings mit Chad Nehring ihren zweitbesten Scorer und mit Nicholas Jensen (wie Nehring nach Düsseldorf) ihren wohl besten Offensivverteidiger. Neben Nehring verließen in Rylan Schwartz (Nürnberg) und Mike Hoeffel (Iserlohn) zwei weitere erfahrene Akteure mit deutschem Pass die Norddeutschen.


Mit dem Slowaken Tomas Sykora (29), der 2018/19 Toptorjäger der polnischen Liga bei Meister Tychy wurde, sowie Offensivverteidiger Stefan Espeland (30), der in Norwegens Liga die meisten Scorerpunkte aller Verteidiger sammelte, kamen lediglich zwei neue Importspieler. Mit Stanislav Dietz (29) verpflichteten die Pinguins zudem einen erfahrenen Deutsch-Tschechen für die Defensive. Die beiden U-23-Akteure Luca Gläser (21) und Tom Horschel (22) sind hingegen höherklassig noch unbeschriebene Blätter.


In Sachen Kompensierung der Abgänge hofft man vor allen Dingen auf die eigenen “Rückkehrer”: Denn mit unter anderem Kapitän Mike Moore oder Topscorer Jan Urbas fehlten in der vergangenen Saison in der entscheidenden Phase mehrere Schlüsselspieler verletzt. Ross Mauermann, der 2018/19 verletzungsbedingt nur auf drei Einsätze kam, ist ebenfalls wieder fit und war beim letzten Test (4:1 gegen Kristianstad) an allen vier Bremerhavener Treffern beteiligt.


Ausblick: Die Pinguins stehen für einen nordamerikanisch geprägten Spielstil mit viel Physis, aber auch Zug zum Tor und präsentieren sich so oftmals als unangenehmer Gegner für die Konkurrenz. Daran dürfte sich auch 2020/21 wenig ändern, zumal der Kader trotz der Abgänge vor allem im Angriff noch immer recht ausgeglichen besetzt ist. Gerade aber das Fehlen der Präsenz und Scoring-Fähigkeiten eines Nehring dürften wehtun.


kicker-Tipp: Bleiben die Pinguins von ähnlichen Verletzungsproblemen wie im Vorjahr verschont, ist im Bestfall sogar die Play-off-Teilnahme drin. In einer engen Liga könnten Schwächen auf den deutschen Positionen aber für einen kleinen Einbruch sorgen.

Schwenninger Wild Wings: Klotzen statt kleckern



Simon Danner (Schwenningen)


Einer der wenigen im Team verbliebenen Topscores der letzten Saison: Simon Danner (Schwenningen).
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Personal: Beim Tabellenletzten des Vorjahres setzte man in Sachen Kaderplanung auf einen radikalen Neuaufbau. Von den besten zehn Scorern der Saison 2018/19 verblieben nur Simon Danner und Marcel Kurth am Neckarursprung. Unter den Abgängen befanden sich daher auch die beiden letztjährigen Topscorer Mirko Höfflin (Ingolstadt) und Anthony Rech (Wolfsburg). Von der Mannschaft des vergangenen Jahres blieb – neben Nationalkeeper Dustin Strahlmeier – letztlich nicht viel mehr als ein einziger Block übrig.


Für die Neuzugänge wurde der Etat erhöht, was an den Namen einiger Verpflichtungen abzulesen ist: Aus Berlin kam mit Jamie MacQueen (31) ein Stürmer, der zuletzt zweimal in Folge die 20-Tore-Marke übertraf. Andreas Thuresson (31) und Mike Blunden (32) besitzen NHL-Erfahrung. In der Abwehr gilt dasselbe für Matt Fraser (29), der als Kapitän eine besondere Führungsrolle im Team einnehmen soll. Aus Iserlohn kam mit Dylan Yeo einer der torgefährlichsten Abwehrspieler der DEL der letzten Jahre. Ebenfalls vom Seilersee wechselte mit Christopher Fischer (31) ein gestandener deutscher Verteidiger nach Schwenningen.


Mit dem in Titisee-Neustadt geborenen Alexander Weiß (32) kehrt zudem ein Lokalmatador nach knapp zwei Jahrzehnten zu seinem Heimatklub zurück. Spielmacher Patrick Cannone (33) war im vergangenen Jahr in Ingolstadt mit 30 Vorlagen bester Assistgeber. Mit Matt Carey (27) kam ein weiterer Center, der bereits in der SHL und kurzzeitig sogar NHL (zwei Spiele für Chicago 2013/14) zum Einsatz kam.


Ausblick: Auf dem Papier hat Manager Jürgen Rumrich die Qualität im Kader mit einer ganzen Reihe von etablierten Spielern gesteigert. Statt wie in der Vergangenheit Experimente einzugehen, verfügen nahezu alle Neuzugänge über viel Erfahrung insbesondere in höherklassigen Ligen. Der mit weitem Abstand schwächste Angriff der Vorsaison (nur 111 Treffer) hat nominell besonders an Qualität hinzugewonnen.


kicker-Tipp: Die Wild Wings werden die Rote Laterne abgeben und kämpfen um Platz zehn. Fügt Coach Paul Thompson die Neuzugänge schnell zusammen, könnte der SERC sogar positiv überraschen.

Krefeld Pinguine: Mit breiterem Kader unter die ersten Zehn?



Jussi Rynnäs


Der klangvollste Neuzugang der Pinguine: Goalie Jussi Rynnäs (Krefeld).
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Personal: Nach dem knappen Verpassen von Platz zehn im Frühjahr, am Ende fehlten vier Punkte auf Nürnberg, tauschten die Seidenstädter insbesondere auf den Importspieler-Positionen munter durch. Mit Jacob Berglund, der fast jeden vierten Treffer der Pinguine in der vergangenen Saison erzielt hatte, wechselte der DEL-Toptorjäger (32 Tore) nach Riga in die KHL. Kirill Kabanov, Greger Hanson, Mathias Trettenes oder den nachverpflichteten Samson Mahbod ließ der KEV aus freien Stücken ziehen. Gleiches galt in der Defensive für den offensivstarken (23 Punkte), aber defensiv sehr anfälligen Martin Lefebvre (Plus/Minus-Bilanz: -29).


Bei den Neuzugängen setzte Geschäftsführer und Sportdirektor Matthias Roos überwiegend auf Bewährtes. Obgleich zuletzt zwei Jahre in der unterklassigen ECHL im Einsatz gewesen, kann vielseitig einsetzbare Center Justin Hodgman (31) schon auf fünf NHL-Spiele sowie vier Jahre in europäischen Topligen (unter anderem KHL, SHL) verweisen. Jeremy Welsh (31) spielte gar schon 27-mal in der NHL und scorte bei seinen bisherigen drei DEL-Stationen stets ordentlich. Mit Ex-Nationalspieler Kai Hospelt (34) und Laurin Braun (28) gehören auch zwei etablierte deutsche Stürmer zu den Neuen.


In der Defensive bleiben die Top-Sechs dagegen bis auf eine Position gleich: Offensivverteidiger Mark Cundari (29) hofft nach verletzungsgeplagter Saison 2018/19 in Berlin, wieder an seine starken zwei Jahre zuvor in Augsburg (jeweils über 30 Punkte) anknüpfen zu können. Zumindest vom Namen her der klangvollste Neuzugang des Krefelder Sommers: Torhüter Jussi Rynnäs (32), der vom finnischen Topklub Kärpät Oulu kommt, bei dem er zuletzt aber nur noch die Nummer zwei gewesen war. Der Finne – 2013/14 nach dem Titelgewinn mit Oulu als bester Keeper der Liga ausgezeichnet – kann aber auch schon auf fünf Einsätze in der NHL verweisen.


Ausblick: Dank Spielern wie Hospelt, Welsh oder Hodgman wirkt der Krefelder Angriff auf dem Papier ein wenig ausgeglichener besetzt als zuletzt, als gerade in Sachen Scoring nahezu alles von Berglund, Daniel Pietta und Chad Costello abhing. Die drittschwächste Defensive der vergangenen Saison (170 Gegentore) blieb allerdings nahezu unverändert und besitzt zudem kaum Tiefe, zumal Cundari in der Vorbereitung angeschlagen war. Daher lastet viel Druck auf Rynnäs’ Schultern.


kicker-Tipp: Der KEV gehört zum dichten Feld der DEL-Klubs, denen vom erneuten Verpassen der Play-offs bis hin zu einer positiven Überraschung alles zuzutrauen ist.

Iserlohn Roosters: Großer Umbruch mit vielen Fragezeichen



Brody Sutter (Iserlohn)


Königstransfer der Roosters: Brody Sutter (Iserlohn).
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Personal: Einen radikalen personellen Umbruch wagten die Sauerländer nach Platz 13 im Vorjahr. Die sechs besten Scorer der Saison 2018/19 um den zweitbesten Punktesammler der gesamten DEL, Jon Matsumoto (nach Köln), verließen den Klub ebenso wie das Torhüter-Trio Sebastian Dahm (Berlin), Niko Hovinen und Mathias Lange. Besonders schmerzlich war neben Matsumoto zweifellos der Abgang von Lokalmatador Lean Bergmann (20), der mit einer 20-Tore-Saison zum Nationalspieler aufstieg und nach Vertragsunterzeichnung in Mannheim schließlich sogar gleich weiter zu den San Jose Sharks in die NHL wechselte.


Mit Andreas Jenike (31) und Anthony Peters (28) bilden zwei Akteure das neue Torhüter-Duo, die bei ihren bisherigen Karrierestationen jeweils nur über kürzere Phasen die Nummer eins ihres Klubs waren. In der Defensive setzt Sportdirektor Christian Hommel mit Rückkehrer Bobby Raymond (zuletzt in Salzburg) und Jens Baxmann, der Berlin nach 18 Jahren verließ, auf zwei bereits 34-Jährige in Schlüsselpositionen. Neben Raymond soll auch Chris Rumble (kam aus Bremerhaven) den Abgang von Offensivverteidiger Yeo kompensieren – und möglichst zusätzliche Stabilität bringen.


Im Angriff heißen die Königstransfers Brody Sutter (27) und Mike Halmo (28), die neben Physis auch Führungsqualitäten mitbringen. Mit Brett Findley (26) und Alex Petan (27) kamen zudem die Topscorer des HC Bozen der vergangenen Saison, für die die DEL indes Neuland ist. Der aus Nürnberg verpflichtete Daniel Weiß (29) soll neben dem eingespielten Duo mehr Eiszeit und Verantwortung erhalten als bei seinen früheren Stationen. Viel Vertrauen wird auch in die beiden U23-Akteure Tim Fleischer (20; gebürtiger Iserlohner, der zuletzt in der OHL in Kanada spielte) und Neal Samanski (20) gesetzt.


Ausblick: Zumindest auf dem Papier sind die Roosters das vielleicht schwächste aller 14 DEL-Teams: Vor allem bei den deutschen Akteuren fehlt Qualität, zumal ausgerechnet der designierte Kapitän Marko Friedrich zum Start verletzungsbedingt fehlt. Spieler wie Matsumoto und Bergman oder auch Yeo konnten nominell nicht gleichwertig ersetzt werden. Aufgrund der viele Fragezeichen liegen besonders große Hoffnungen auf dem neuen Coach Jason O’Leary (41), der allerdings bis dato vor allem im Nachwuchsbereich und in der zweiten Schweizer Liga Erfahrung sammelte, 2016/17 mit Langenthal aber immerhin den NLB-Titel gewann.


kicker-Tipp: Das Erreichen von Platz zehn wäre aufgrund der zahlreichen Fragezeichen bereits eine Überraschung.

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