Zum Abschluss von Woche 3 gibt es das Duell zweier Teams, die noch auf der Suche nach sich selbst sind: Die Washington Redskins empfangen die Chicago Bears – und während Washington drei Niederlagen zum Auftakt verhindern will, müssen die Bears gewinnen, um in der Division nicht zurück zu fallen. Im Coin Toss diskutiert mySPOX-User butfumlbe93 mit SPOX-Redakteur Adrian Franke, zu sehen gibt es das Spiel in der Nacht zum Dienstag (ab 2.15 Uhr) live auf DAZN – mit dem Monday-Night-Kommentatoren-Duo Sebastian Vollmer und Markus Kuhn.

Preview: Washington Redskins (0-2) – Chicago Bears (1-1) (Di., 2.15 Uhr live auf DAZN)

mySPOX-User butfumlbe93: Ja, Washington steht mit einem Record von 0-2 fast erwartungsgemäß mit dem Rücken zur Wand. Das Team aus der Hauptstadt hat schlicht zu wenig Talent im Kader, um im diesjährigen Playoff-Rennen mitzumischen. Trotzdem glaube ich, dass die Bourbonen eine reale Chance gegen Chicago haben. Neben dem Heimvorteil und dem durchwachsenen Auftreten des Gegners, kann man durchaus konstatieren, dass sich das Team in den zwei Niederlagen ordentlich geschlagen hat.

Die kombinierte Punktedifferenz (-15) und eine potente Offense (Platz 5 nach non-adjusted DVOA) machen Mut für den restlichen Saisonverlauf. Terry McLaurin sticht dabei besonders aus der Unit heraus. Der diesjährige Drittrundenpick ist laut PFF der bisher sechstbeste von 46 qualifizierenden Wide Receivern und konnte von Eagles und Cowboys kaum gestoppt werden. McLaurin ist die heißeste Waffe des strauchelnden Quarterbacks Case Keenum und wird es somit mit Chicagos Nummer-1-Cornerback Kyle Fuller zu tun bekommen.

Der wiederum spielt bisher unter seinen Möglichkeiten, sodass das ein oder andere Play für den ehemaligen Buckeye möglich sein sollte. Dennoch kann die gegnerische Defense nicht von dem Rookie alleine geknackt werden. Die Offensive Line macht bis dato eine soliden Job. Besonders Right Guard Brandon Scherff und Left Tackle Donald Penn spielen vielversprechend und sollten der monströsen Defensive-Front der Bears Paroli bieten können.

Redskins-Offense? “Nicht leicht, nicht unmöglich”

Auch der zweite Corner Chicagos, Prince Amukamara, hat mit Problemen zu kämpfen, sodass Paul Richardson hoffentlich mehr Einfluss auf das Geschehen haben wird als bisher. Dazu wird Washington verstärkt auf das Run-Game setzen (müssen). Der nicht alternde Adrian Peterson spielt mal wieder beeindruckende Saison, was jedoch aufgrund des mangelhaften Blockings wirkungslos bleibt.

Offensiv braucht das Team ein paar Big Plays der Wideouts und ein Turnover-freies, solides Spiel von Keenum. Nicht leicht, aber auch nicht unmöglich.

Defensiv stechen neben dem Safety-Duo Montae Nicholson und Landon Collins die Big Man Tim Settle und DaRon Payne hervor. Besonders Payne überzeugt in der B-Gap und sollte gegen Kyle Long dauerhaft die Überhand behalten, Interior Pressure erzeugen und den schwachen Trubisky so zu Fehlern zwingen. Es würde Washington außerdem helfen, wenn die restliche Defensive Front bestehend aus Ryan Kerrigan, Matt Ioannidis und Montez Sweat ihre unbestreitbare Qualität auf dem Papier auch auf das Feld bringen würde und so das Spiel an sich reißen kann.

Bis auf das Duell Allen Robinson gegen welchen Corner auch immer (die Coverages werden in Washington nach Seite, nicht nach Gegenspieler aufgeteilt), sehe ich die Defense des Heimteams in durchaus guter Position gegen Chicago. Das könnte das Spiel zu einem Low-Scoring Event werden lassen, das lange eng bleibt und indem ein einziger Fehler entscheidend sein kann. Und da setze ich auf Mitchell Trubisky.

Adrian Franke (SPOX): Bei der Bears-Offense müssen wir nicht lange um den heißen Brei herumreden: Das war ein absolut ernüchternder Start in die Saison. Der einzige Touchdown-Drive über die ersten beiden Spiele? Neun Runs und eine Defensive-Holding-Strafe. Nicht das, was man sich von einer Offense erwartet hatte, die unter Matt Nagy letztes Jahr in puncto Play-Calls und Play-Designs zur Liga-Spitze gehörte.

Zwei Sachen fallen dabei auf: Mitch Trubisky stagniert und ist aktuell ein Klotz am Bein dieser Offense, hier wird sich Chicago bald die ehrliche Frage stellen müssen, ob er die Antwort sein kann. Aber es scheint auch klar zu sein, dass Nagy noch mehr herumprobiert.

Einige Trends über die ersten beiden Spiele: Chicago setzt auf mehr 21-Personnel (zwei Running Backs, ein Tight End, zwei Wide Receiver) und versucht, hieraus extrem vertikal zu attackieren, mit riskanten Pässen.

Die Bears testen auch deutlich mehr 20-Personnel, also zwei Running Backs und drei Wide Receiver – was bisher noch überhaupt nicht funktioniert. Chicago ist auch das einzige Team, das bisher dieses Jahr einen Snap aus 30-Personnel hatte. Cordarrelle Patterson oder David Montgomery neben Tarik Cohen – scheinbar will Nagy hieraus seine Offense schwerer ausrechenbar machen. Gleichzeitig aber hat Trubisky erneut eine der niedrigsten Play-Action-Quoten in der NFL, was schwer erklärbar ist.

Keine Ausreden für Trubisky und die Bears-Offense

Wenn man Chicago eine Sache zugutehalten will, dann wäre das die Tatsache, dass man es mit einer scheinbar starken Packers-Defense sowie einer Broncos-Defense unter Vic Fangio, der Trubisky und Matt Nagy natürlich bestens kennt, in Denver zu tun hatte. Und der Faktor sollte am Montagabend nun wirklich nicht gegeben sein.

Die Redskins haben über zwei Wochen eine der anfälligeren Coverage-Units, der Pass-Rush ist unterdurchschnittlich – und selbst die stark besetzte Front, die eigentlich das Rückgrat dieser Defense sein sollte, schwächelt auch in der Run-Defense. Chicago hatte bislang zwar ziemliche Probleme in der Offensive Line generell und ganz spezifisch im Run Game – hier könnte Montgomery dennoch ein sehr gutes Spiel haben. In diesem Spiel darf es keine Ausreden für die Bears-Offense geben.

Das lässt einen Schluss zu: Vermutlich reicht es, wenn Trubisky in Washington den Game Manager gibt. Die Offense sollte über das Run Game funktionieren, gleichzeitig ist es schwer vorstellbar, dass die Defense größere Probleme bekommt. Das sollte aus Bears-Sicht potenziell ein ähnliches Spiel wie gegen Denver werden, nur dass Washington nicht die individuellen Playmaker im Passspiel und größere Schwierigkeiten in der Run-Defense hat.

Die Bears-Defense dürfte in diesem Spiel keine Bauchschmerzen damit haben, Washingtons Receiver Eins-gegen-Eins zu decken und die Line of Scrimmage aggressiver zu bespielen, um Adrian Peterson und das Run Game zu stoppen. Passiert das, wird Keenum vielleicht ein, zwei Big Plays zu McLaurin anbringen; aber er wird dann gegen Chicagos Pass-Rush früher oder später auch Fehler machen. Das sollte der Bears-Offense zusätzlichen Spielraum verschaffen und zum Sieg in einem – da bin ich bei dir – Low-Scoring-Game reichen.

Hinterlasse eine Antwort