Zwei Wadenbeinbrüche, eine lange Verletzungspause – Luisa Wensing hat keine einfache Zeit hinter sich. Im Sommer ist die 25-Jährige von Wolfsburg zum SV Werder Bremen gewechselt. Abstiegskampf in der Allianz Frauen-Bundesliga statt Triple-Träume. Im DFB.de-Interview spricht die Abwehrspielerin über ihre lange Leidenszeit, den Druck im Abstiegskampf und die WM in diesem Sommer.

DFB.de: Frau Wensing, bevor wir den Blick nach vorne richten: Nach 13 Begegnungen haben Sie mit den Frauen des SV Werder sieben Punkte geholt und sind Vorletzter der Allianz Frauen-Bundesliga. Die Fakten klingen für Sie wahrscheinlich nicht so, wie sie klingen sollten.

Luisa Wensing: Die Fakten klingen für die ganze Mannschaft nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wenn man im Moment auf die Tabelle schaut, ist das für uns derzeit kein schöner Anblick. Hinzu kommt, dass wir die beiden Begegnungen gegen Mönchengladbach schon hinter uns haben. Da haben wir unsere Pflicht erfüllt und sechs Punkte geholt. Die beiden Partien gegen Leverkusen haben wir leider verloren. Gerade vor Weihnachten war das eine sehr bittere Niederlage für uns, da wir einige Chancen hatten, um zu gewinnen. Und dann sieht die Tabelle eben so aus, wie es im Moment der Fall ist. Es bringt jedoch nichts, wenn wir den Kopf jetzt in den Sand stecken. Wir müssen weiter arbeiten und kämpfen. Und wir müssen daran glauben, dass wir es noch schaffen. Genügend Begegnungen stehen natürlich noch auf dem Programm. Und so lange es rechnerisch möglich ist, werden wir alles für den Klassenerhalt in der Allianz Frauen-Bundesliga geben.

DFB.de: Sie haben das größte Problem schon angesprochen. Der SV Werder hat bisher elf Tore geschossen, alleine acht davon gegen den Letzten Borussia Mönchengladbach. Auf der anderen Seite haben Sie erst 28 Treffer kassiert, was für eine Mannschaft im Tabellenkeller kein ganz schlechter Wert ist. Hakt es also vor allem im Abschluss?

Wensing: Ja, definitiv. Wir wissen auch, dass das nach vorne von uns allen zu wenig ist. Wir lassen zu oft hundertprozentige Chancen einfach liegen, die wir eigentlich machen müssen. Es ist natürlich problematisch, wenn das nicht klappt. Dann rutscht man in ein Loch, aus dem man schwer wieder rauskommt. Ich hoffe, dass wir uns in diesem Bereich in der zweiten Saisonhälfte verbessern können. Außerdem wäre es gut, wenn wir auch das Glück mal auf unserer Seite hätten. Denn bis jetzt ist bestimmt das eine oder andere Mal auch Pech dazu gekommen. Elf Tore in 13 Spielen sind nicht viel. Immerhin sprechen die 28 Gegentreffer dafür, dass wir gegen den Ball gut arbeiten. Vor allem gegen Wolfsburg haben wir gut gearbeitet und nur drei Tore bekommen. Da sind andere Mannschaften definitiv schlechter weggekommen. Aber das bringt uns auch keine Punkte. Wir müssen sehen, was am Ende dabei rauskommt.

DFB.de: Geht es wirklich nur um Glück oder Pech oder ist es auch eine Qualitätsfrage? Was macht Ihnen Hoffnung, dass es nun besser wird?

Wensing: Ich werde mir jetzt ab und zu mal den Ball schnappen und damit nach vorne rennen. (lacht) Nein, im Ernst. Als Innenverteidigerin steht man oft hinten drin und wünscht sich, dass vorne einer reinfliegt. Ich möchte aber unsere Offensivabteilung bewusst in Schutz nehmen. Wir haben vorne viele junge Spielerinnen. Ich denke zum Beispiel an Selina Cerci. Das ist eine Spielerin, die noch Erfahrung sammeln muss und die uns am Anfang verletzt gefehlt hat. Man kann einfach nicht erwarten, dass direkt alles perfekt läuft. Mir macht auch Hoffnung, dass wir uns im Winter mit Sofia Nati verstärkt haben. Wir werden alles dafür tun, dass die Tore fallen. Notfalls müssen wir das Glück erzwingen.

DFB.de: Macht auch die bisherige Vorbereitung mit guten Ergebnissen gegen Arminia Bielefeld und den BV Cloppenburg Hoffnung?

Wensing: Ja, definitiv. Die Spiele machen Mut. Wir hatten wirklich gute Phasen dabei. 3:0 und 5:1 hört sich gut an. Aber auch hier hätten wir noch mehr Tore machen können. Es waren auf jeden Fall positive Ansätze dabei, die wir weiter umsetzen wollen. Wir fahren auch noch ins Kurzzeittrainingslager. Da werden wir am Feinschliff arbeiten. Und dann fängt es fast schon wieder an.

DFB.de: Es geht direkt gegen den MSV Duisburg, mit elf Punkten der Tabellenneunte. Direkt ein ganz wichtiges Spiel?

Wensing: Ja, ganz wichtig. Das ist ein richtungsweisendes Spiel nach unserer bitteren Niederlage in der Hinrunde. Wir haben diesen Gegner jetzt zu Hause. Und da zählt nichts anderes als drei Punkte, ganz klar.

DFB.de: Duisburg hatte in der vergangenen Saison nach der Hinrunde keinen einzigen Punkt und am Ende trotzdem die Klasse gehalten. Ist das auch ein Beispiel für Sie, dass es möglich ist?

Wensing: Richtig. Ein Motto von mir ist: Sag’ niemals nie. Solange es noch möglich ist, glaube ich daran. Natürlich haben wir schon wichtige Punkte liegen gelassen. Aber es gibt noch genügend Möglichkeiten, um die nötigen Zähler zu holen.

DFB.de: Wie haben Sie ganz persönlich die erste Saisonhälfte erlebt? Sie sind ja auch nach Bremen gekommen, um regelmäßig auf dem Platz zu stehen. Sie haben keine einzige Minute verpasst.

Wensing: Das ist sehr positiv für mich. Es ist genau das eingetreten, was ich mir erhofft hatte. Ich spüre das Vertrauen des Trainerteams und kann endlich wieder Allianz Frauen-Bundesliga spielen. Ich bin sehr froh, wie es für mich persönlich läuft. Wichtig ist mir auch, dass mein Fuß nach meiner Verletzungsgeschichte wieder völlig schmerzfrei ist. Es passt alles. Ich werde langsam wieder zu der alten Luisa Wensing. Ich komme wieder der Leistung näher, die ich vor meiner Verletzung gebracht habe. So versuche ich der Mannschaft zu helfen. Ich möchte die Defensive mit meiner Erfahrung stabilisieren.

DFB.de: Welche Rolle nehmen Sie in diesem jungen Kader ein?

Wensing: Unsere Trainerin Carmen Roth hat schon mehrfach betont, dass ich sehr wichtig in der Defensive bin. Ich war aber schon immer ein Typ, der Verantwortung übernimmt. Ich mache meinen Mund auf dem Platz auf und versuche, gerade jungen Spielerinnen zu helfen und sie zu loben, wenn sie etwas gut gemacht haben.

DFB.de: Vorher in Wolfsburg haben Sie immer um Titel mitgespielt. Mit Bremen stehen sie jetzt im Tabellenkeller. Wie gehen Sie mit dieser Erfahrung um?

Wensing: In der Hinrunde sind wir mit einem Sieg gegen Mönchengladbach gestartet. Danach kam eine Serie, in der wir ein Spiel nach dem anderen verloren haben. Das war tatsächlich eine komplett neue Situation für mich. Damit musste ich erstmal klar kommen, weil ich es von vorher nicht kannte. Das war nicht nur für mich nicht schön, sondern für alle anderen auch nicht. Dass es in Bremen nicht so laufen würde wie in Wolfsburg, war mir natürlich vorher schon klar. Entsprechend konnte ich mich etwas darauf vorbereiten. Aber es war schon eine Umstellung. Nach den Spielen ist man schon enttäuscht und traurig. Es ist wichtig, den Hebel schnell umzulegen. Man darf mittwochs nicht mehr mit der Niederlage vom Wochenende hadern. Es ist eine neue Erfahrung für mich, die mich auf jeden Fall wieder einen Schritt nach vorne bringt. Ich wachse daran.

DFB.de: Stärkt diese schwierige Situation also auch Ihre Persönlichkeit?

Wensing: Ja, ich denke schon. In Wolfsburg hatten wir nach jedem Spiel sonntags Glücksgefühle. Der Blick auf die Tabelle war immer schön, wir waren meist in allen drei Wettbewerben vertreten. Wenn ich jetzt auf die Tabelle schaue, denke ich manchmal: “Oh!” Das fühlt sich nicht so toll an. Aber wir nehmen es an und schauen weiter positiv nach vorne. Wir wissen, was falsch gelaufen ist und versuchen es nun, besser zu machen. Allen ist die Situation klar. Wir wissen auch, was jetzt wichtig ist. Die volle Konzentration gilt jetzt Duisburg.

DFB.de: Spüren Sie einen anderen Druck, wenn es gegen den Abstieg und eben nicht um die Deutsche Meisterschaft geht?

Wensing: Ja, klar. Wenn man Erster ist, will man den Zweiten auf Abstand halten. Wir haben jetzt den Druck, den Anschluss an die Nicht-Abstiegsränge nicht zu verlieren. Aber es bringt nichts, wenn wir uns vorher den Kopf zerbrechen. Wir müssen auf uns schauen. Und wenn wir unsere Sachen erledigen, kann es uns egal sein, was die anderen machen. Aber das muss jetzt eben auch passieren. Wir können nicht immer hoffen, dass die anderen keine Punkte holen.

DFB.de: Sie haben 22 Spiele für die Frauen-Nationalmannschaft bestritten. Nach einer langen Verletzungsgeschichte sind Sie jetzt wieder fit. Ist ein Comeback ein Thema für Sie?

Wensing: Es ist kein konkretes Thema für mich. Ich gehe das ganz gelassen an. Klar ist es ein Traum für mich, noch einmal in diesen Kreis zurückkommen zu können. Da würde ich nicht nein sagen. Aber ich sage mir nicht, dass ich am liebsten bis zum Sommer und damit bis zur Weltmeisterschaft in Frankreich eine Rolle spielen möchte. Ich genieße es, wieder Allianz Frauen-Bundesliga zu spielen. Und ich versuche, wieder meine Topleistung abzurufen. Alles, was dann passiert, kann ich nicht beeinflussen. Das DFB-Trainerteam wird sich sein eigenes Bild machen. Wenn dann nochmal der Anruf kommen sollte, freue ich mich riesig. Aber ich sage jetzt nicht: “Ich will, ich will!” Ich lasse alles auf mich zukommen. Und wenn es passiert, passiert es. Wenn nicht, geht die Welt nicht unter. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich jetzt für Werder spielen kann. Und jetzt versuchen wir alles, um den Klassenverbleib zu schaffen. Und das ist noch möglich.



[sw]

Zwei Wadenbeinbrüche, eine lange Verletzungspause – Luisa Wensing hat keine einfache Zeit hinter sich. Im Sommer ist die 25-Jährige von Wolfsburg zum SV Werder Bremen gewechselt. Abstiegskampf in der Allianz Frauen-Bundesliga statt Triple-Träume. Im DFB.de-Interview spricht die Abwehrspielerin über ihre lange Leidenszeit, den Druck im Abstiegskampf und die WM in diesem Sommer.

DFB.de: Frau Wensing, bevor wir den Blick nach vorne richten: Nach 13 Begegnungen haben Sie mit den Frauen des SV Werder sieben Punkte geholt und sind Vorletzter der Allianz Frauen-Bundesliga. Die Fakten klingen für Sie wahrscheinlich nicht so, wie sie klingen sollten.

Luisa Wensing: Die Fakten klingen für die ganze Mannschaft nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wenn man im Moment auf die Tabelle schaut, ist das für uns derzeit kein schöner Anblick. Hinzu kommt, dass wir die beiden Begegnungen gegen Mönchengladbach schon hinter uns haben. Da haben wir unsere Pflicht erfüllt und sechs Punkte geholt. Die beiden Partien gegen Leverkusen haben wir leider verloren. Gerade vor Weihnachten war das eine sehr bittere Niederlage für uns, da wir einige Chancen hatten, um zu gewinnen. Und dann sieht die Tabelle eben so aus, wie es im Moment der Fall ist. Es bringt jedoch nichts, wenn wir den Kopf jetzt in den Sand stecken. Wir müssen weiter arbeiten und kämpfen. Und wir müssen daran glauben, dass wir es noch schaffen. Genügend Begegnungen stehen natürlich noch auf dem Programm. Und so lange es rechnerisch möglich ist, werden wir alles für den Klassenerhalt in der Allianz Frauen-Bundesliga geben.

DFB.de: Sie haben das größte Problem schon angesprochen. Der SV Werder hat bisher elf Tore geschossen, alleine acht davon gegen den Letzten Borussia Mönchengladbach. Auf der anderen Seite haben Sie erst 28 Treffer kassiert, was für eine Mannschaft im Tabellenkeller kein ganz schlechter Wert ist. Hakt es also vor allem im Abschluss?

Wensing: Ja, definitiv. Wir wissen auch, dass das nach vorne von uns allen zu wenig ist. Wir lassen zu oft hundertprozentige Chancen einfach liegen, die wir eigentlich machen müssen. Es ist natürlich problematisch, wenn das nicht klappt. Dann rutscht man in ein Loch, aus dem man schwer wieder rauskommt. Ich hoffe, dass wir uns in diesem Bereich in der zweiten Saisonhälfte verbessern können. Außerdem wäre es gut, wenn wir auch das Glück mal auf unserer Seite hätten. Denn bis jetzt ist bestimmt das eine oder andere Mal auch Pech dazu gekommen. Elf Tore in 13 Spielen sind nicht viel. Immerhin sprechen die 28 Gegentreffer dafür, dass wir gegen den Ball gut arbeiten. Vor allem gegen Wolfsburg haben wir gut gearbeitet und nur drei Tore bekommen. Da sind andere Mannschaften definitiv schlechter weggekommen. Aber das bringt uns auch keine Punkte. Wir müssen sehen, was am Ende dabei rauskommt.

DFB.de: Geht es wirklich nur um Glück oder Pech oder ist es auch eine Qualitätsfrage? Was macht Ihnen Hoffnung, dass es nun besser wird?

Wensing: Ich werde mir jetzt ab und zu mal den Ball schnappen und damit nach vorne rennen. (lacht) Nein, im Ernst. Als Innenverteidigerin steht man oft hinten drin und wünscht sich, dass vorne einer reinfliegt. Ich möchte aber unsere Offensivabteilung bewusst in Schutz nehmen. Wir haben vorne viele junge Spielerinnen. Ich denke zum Beispiel an Selina Cerci. Das ist eine Spielerin, die noch Erfahrung sammeln muss und die uns am Anfang verletzt gefehlt hat. Man kann einfach nicht erwarten, dass direkt alles perfekt läuft. Mir macht auch Hoffnung, dass wir uns im Winter mit Sofia Nati verstärkt haben. Wir werden alles dafür tun, dass die Tore fallen. Notfalls müssen wir das Glück erzwingen.

DFB.de: Macht auch die bisherige Vorbereitung mit guten Ergebnissen gegen Arminia Bielefeld und den BV Cloppenburg Hoffnung?

Wensing: Ja, definitiv. Die Spiele machen Mut. Wir hatten wirklich gute Phasen dabei. 3:0 und 5:1 hört sich gut an. Aber auch hier hätten wir noch mehr Tore machen können. Es waren auf jeden Fall positive Ansätze dabei, die wir weiter umsetzen wollen. Wir fahren auch noch ins Kurzzeittrainingslager. Da werden wir am Feinschliff arbeiten. Und dann fängt es fast schon wieder an.

DFB.de: Es geht direkt gegen den MSV Duisburg, mit elf Punkten der Tabellenneunte. Direkt ein ganz wichtiges Spiel?

Wensing: Ja, ganz wichtig. Das ist ein richtungsweisendes Spiel nach unserer bitteren Niederlage in der Hinrunde. Wir haben diesen Gegner jetzt zu Hause. Und da zählt nichts anderes als drei Punkte, ganz klar.

DFB.de: Duisburg hatte in der vergangenen Saison nach der Hinrunde keinen einzigen Punkt und am Ende trotzdem die Klasse gehalten. Ist das auch ein Beispiel für Sie, dass es möglich ist?

Wensing: Richtig. Ein Motto von mir ist: Sag’ niemals nie. Solange es noch möglich ist, glaube ich daran. Natürlich haben wir schon wichtige Punkte liegen gelassen. Aber es gibt noch genügend Möglichkeiten, um die nötigen Zähler zu holen.

DFB.de: Wie haben Sie ganz persönlich die erste Saisonhälfte erlebt? Sie sind ja auch nach Bremen gekommen, um regelmäßig auf dem Platz zu stehen. Sie haben keine einzige Minute verpasst.

Wensing: Das ist sehr positiv für mich. Es ist genau das eingetreten, was ich mir erhofft hatte. Ich spüre das Vertrauen des Trainerteams und kann endlich wieder Allianz Frauen-Bundesliga spielen. Ich bin sehr froh, wie es für mich persönlich läuft. Wichtig ist mir auch, dass mein Fuß nach meiner Verletzungsgeschichte wieder völlig schmerzfrei ist. Es passt alles. Ich werde langsam wieder zu der alten Luisa Wensing. Ich komme wieder der Leistung näher, die ich vor meiner Verletzung gebracht habe. So versuche ich der Mannschaft zu helfen. Ich möchte die Defensive mit meiner Erfahrung stabilisieren.

DFB.de: Welche Rolle nehmen Sie in diesem jungen Kader ein?

Wensing: Unsere Trainerin Carmen Roth hat schon mehrfach betont, dass ich sehr wichtig in der Defensive bin. Ich war aber schon immer ein Typ, der Verantwortung übernimmt. Ich mache meinen Mund auf dem Platz auf und versuche, gerade jungen Spielerinnen zu helfen und sie zu loben, wenn sie etwas gut gemacht haben.

DFB.de: Vorher in Wolfsburg haben Sie immer um Titel mitgespielt. Mit Bremen stehen sie jetzt im Tabellenkeller. Wie gehen Sie mit dieser Erfahrung um?

Wensing: In der Hinrunde sind wir mit einem Sieg gegen Mönchengladbach gestartet. Danach kam eine Serie, in der wir ein Spiel nach dem anderen verloren haben. Das war tatsächlich eine komplett neue Situation für mich. Damit musste ich erstmal klar kommen, weil ich es von vorher nicht kannte. Das war nicht nur für mich nicht schön, sondern für alle anderen auch nicht. Dass es in Bremen nicht so laufen würde wie in Wolfsburg, war mir natürlich vorher schon klar. Entsprechend konnte ich mich etwas darauf vorbereiten. Aber es war schon eine Umstellung. Nach den Spielen ist man schon enttäuscht und traurig. Es ist wichtig, den Hebel schnell umzulegen. Man darf mittwochs nicht mehr mit der Niederlage vom Wochenende hadern. Es ist eine neue Erfahrung für mich, die mich auf jeden Fall wieder einen Schritt nach vorne bringt. Ich wachse daran.

DFB.de: Stärkt diese schwierige Situation also auch Ihre Persönlichkeit?

Wensing: Ja, ich denke schon. In Wolfsburg hatten wir nach jedem Spiel sonntags Glücksgefühle. Der Blick auf die Tabelle war immer schön, wir waren meist in allen drei Wettbewerben vertreten. Wenn ich jetzt auf die Tabelle schaue, denke ich manchmal: “Oh!” Das fühlt sich nicht so toll an. Aber wir nehmen es an und schauen weiter positiv nach vorne. Wir wissen, was falsch gelaufen ist und versuchen es nun, besser zu machen. Allen ist die Situation klar. Wir wissen auch, was jetzt wichtig ist. Die volle Konzentration gilt jetzt Duisburg.

DFB.de: Spüren Sie einen anderen Druck, wenn es gegen den Abstieg und eben nicht um die Deutsche Meisterschaft geht?

Wensing: Ja, klar. Wenn man Erster ist, will man den Zweiten auf Abstand halten. Wir haben jetzt den Druck, den Anschluss an die Nicht-Abstiegsränge nicht zu verlieren. Aber es bringt nichts, wenn wir uns vorher den Kopf zerbrechen. Wir müssen auf uns schauen. Und wenn wir unsere Sachen erledigen, kann es uns egal sein, was die anderen machen. Aber das muss jetzt eben auch passieren. Wir können nicht immer hoffen, dass die anderen keine Punkte holen.

DFB.de: Sie haben 22 Spiele für die Frauen-Nationalmannschaft bestritten. Nach einer langen Verletzungsgeschichte sind Sie jetzt wieder fit. Ist ein Comeback ein Thema für Sie?

Wensing: Es ist kein konkretes Thema für mich. Ich gehe das ganz gelassen an. Klar ist es ein Traum für mich, noch einmal in diesen Kreis zurückkommen zu können. Da würde ich nicht nein sagen. Aber ich sage mir nicht, dass ich am liebsten bis zum Sommer und damit bis zur Weltmeisterschaft in Frankreich eine Rolle spielen möchte. Ich genieße es, wieder Allianz Frauen-Bundesliga zu spielen. Und ich versuche, wieder meine Topleistung abzurufen. Alles, was dann passiert, kann ich nicht beeinflussen. Das DFB-Trainerteam wird sich sein eigenes Bild machen. Wenn dann nochmal der Anruf kommen sollte, freue ich mich riesig. Aber ich sage jetzt nicht: “Ich will, ich will!” Ich lasse alles auf mich zukommen. Und wenn es passiert, passiert es. Wenn nicht, geht die Welt nicht unter. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich jetzt für Werder spielen kann. Und jetzt versuchen wir alles, um den Klassenverbleib zu schaffen. Und das ist noch möglich.

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